Neue Herausforderungen für Metzger

Der Name Dagema steht ursprünglich für (Da)erme-(Ge)würze-(Ma)schinen. Das Unternehmen wurde 1953 von acht Fachgroßhändlern gegründet, um die Synergien auf Einkaufsseite für die klassischen Metzgerei-Bedarfsartikel zu bündeln. Das hat auch heute noch oberste Priorität.

Heute arbeitet die Dagema eG weltweit mit ca. 1.000 Vertragslieferanten zusammen. Neue Geschäftsfelder gehen über das klassische Metzgerhandwerk hinaus. Somit ist die Dagema heute kompetenter Ansprechpartner für die Ernährungsindustrie, den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie. Über aktuelle Marktentwicklungen, zukünftige Anforderungen und die Corona-Situation sprachen wir mit dem Dagema Vorstand Herrn Markus Isenmann.

Dosen-Zentrale: Herr Isenmann, was sind aktuell die Hauptthemen, mit denen sich die Dagema beschäftigt?
Markus Isenmann: Der klassische stationäre Markt verändert sich rapide. Jährlich verschwinden allein in den südlichen Bundesländern circa 400 Metzgereibetriebe. Die Transparenz im Online-Handel führt zu einer Preiserosion. Gleichzeitig haben unsere Großhändler das Problem ihre Dienstleistungen, wie Beratung, Service, Warenvorhaltung entsprechend bepreisen zu können. Erschwerend kommt der Fachkräftemangel hinzu. Vom LKW-Fahrer über den Außendienst bis zur IT können offene Stellen nur schwer besetzt werden – von Azubi-Stellen ganz zu schweigen.

„Wegen des Metzgersterbens orientieren sich die Mitglieder um und erschließen neue Betätigungsfelder: Gastronomie, LEH, Objektplanung und -umsetzung.“

Markus Isenmann, Vorstand der Dagema

Dosen-Zentrale: Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben in vielen Wirtschaftsbereichen deutliche Spuren hinterlassen. Was bedeutet Corona für das Metzgerhandwerk konkret?
Isenmann: Bei vielen Verbrauchern führte die Corona-Krise zu einer Rückbesinnung auf Werte wie Regionalität und handwerkliche Herstellung von Lebensmitteln. Davon hat das Metzgerhandwerk profitiert. Andererseits ist das Catering, das für viele Metzgereien mittlerweile unverzichtbares Standbein ist, in der Krise nahezu vollständig eingebrochen.

Dosen-Zentrale: Viele Dagema-Mitglieder sind auch Zulieferer der Gastronomie und für Catering-Unternehmen. Mit welchen Sorgen aber auch mit welchen Erwartungen und Hoffnungen gehen Sie ins Jahresendgeschäft?
Isenmann: Es wird viel davon abhängen, wie sich die Zahl der Neuinfektionen entwickelt und welche Schutzmaßnahmen daraus abgeleitet werden. Wir hoffen natürlich, dass die ohnehin sehr überschaubaren Verdienstmöglichkeiten der Gastronomen nicht weiter beschnitten werden.

Dosen-Zentrale: Haben Ereignisse wie jüngst bei der Firma Tönnies konkrete Auswirkungen auf die Dagema, ihre Mitglieder und den einzelnen Metzgerei-Betrieb?
Isenmann: Wir erkennen zwei gegenläufige Effekte: Einerseits vergrößert jeder Fleischskandal das Lager derer, die den Fleischkonsum reduzieren oder vollständig auf Fleisch verzichten. Andererseits bietet der handwerklich produzierende und in seiner Region verwurzelte Metzger dem bewusster kaufenden Konsumenten Alternativen zu industriell produziertem Billigfleisch.

Dosen-Zentrale: Wie hat sich das Geschäft der Dagema in den letzten 5 Jahren verändert?
Isenmann: Wegen des Metzgersterbens orientieren sich die Mitglieder um und erschließen neue Betätigungsfelder: Gastronomie, LEH, Objektplanung und -umsetzung. Da der Wettbewerb spürbar zugenommen hat, sind vor allem zusätzlich zu den vorhandenen Premium-Produkten Alternativen im Preiseinstieg für alle Segmente gefordert.

Dosen-Zentrale: Welche Trends bzw. Entwicklungen sehen Sie derzeit in der Metzgerei-Branche?
Isenmann: Ganz klar die Spezialisierung und Besetzung von Nischen. Egal ob Bio, regional, Premium-Qualität, Catering oder mobiler Verkauf. Nur Metzgereien, die ein schlüssiges Konzept haben, haben eine Chance, den Kampf gegen die Wurst- und Fleischtheken der LEH-Ketten zu überstehen.

Dosen-Zentrale: Welche Anforderungen ergeben sich dadurch für Ihre Lieferanten?
Isenmann: Von den Markenartiklern sind Innovationen gefordert, mit denen sie sich klar vom Preiseinstieg abheben. Lieferanten müssen künftig noch flexibler sein, denn Massenprodukte werden durch individualisierte Produkte in kleiner Stückzahl abgelöst. 

Dosen-Zentrale: Worin sehen Sie heute und in Zukunft die Vorteile und Chancen eines Einkaufsverbundes wie der Dagema? 
Isenmann: Grundsätzlich ähnlich wie zur Gründung der Dagema. Der verschärfte Wettbewerb über Online-Handel zwingt die verbleibenden stationären Händler, ihr Einkaufsvolumen zu bündeln. Andererseits sind zur Erschließung neuer Märkte Investitionen erforderlich, die einzelne Händler teilweise nicht stemmen können. In Zeiten der Digitalisierung ist die Bereitstellung von Lieferanten- und Artikeldaten sowie Dokumenten immens wichtig. Dies zentral durch die Dagema zu erbringen, schafft Synergien für die ganze Gruppe.

Dosen-Zentrale: Herr Isenmann, Danke für das Gespräch.

Gründung: 1953
Mitarbeiter: 54
Sitz: Willich, NRW
Mitglieder: 28
Gesamtfläche: 33.394 m²
Lagerfläche: 13.330 m²
Lieferanten: ca. 1.000
Außenumsatz: über 630 Mio. Euro